Caroline Poggi & Jonathan Vinel
Si j'avais un bar, je l'appellerais The Blessing
Digitales Video, Farbe, mit Ton, 16'28'', Loop, 2026
WIR REDUZIEREN GEMEINSAM DEN STROMVERBRAUCH. DIE VIDEOARBEITEN DES MIRE-PROGRAMMS SIND VON 7:00 BIS 9:30 , 12:00 BIS 14:30 UND 17:30 BIS 20:00 GEZEIGT. DANKE UND GUTE REISE!
Zwischen Tanzfilm und reflexivem Essay über zwischenmenschliche Beziehungen bietet der Film von Caroline Poggi und Jonathan Vinel ein cineastisches Erlebnis im Bahnhof von Champel. Schauplatz der Handlung ist eine Bar namens The Blessing (auf Deutsch „der Segen“), in der verschiedene Zeitlichkeiten aufeinandertreffen, symbolisiert durch die zahlreichen Protagonist*innen – am Morgen nach einer Party, am Vormittag oder am frühen Abend. Aomi, Erwan und Neïla, die Hauptfiguren der Handlung, interagieren miteinander wie Avatare aus einem Videospiel. Tatsächlich offenbaren ihre Einstellungen, Verhaltensweisen und Überlegungen eine gewisse Verwandtschaft mit der Welt des Gaming. Jede ihrer Gesten hat eine Ursache-Wirkungs-Beziehung zu den folgenden. Die Filmemacher verankern ihr Werk noch stärker in dieser virtuellen Welt, indem sie die Projektionsfläche – diesen fünfzehn Meter langen Bildschirm – in drei Teile unterteilen. Diese Vielzahl von Blickwinkeln spiegelt die Vielzahl der Erzählinstanzen wider, aus denen sich die Geschichte zusammensetzt: Das Bild spricht ebenso wie die Off-Stimme und enthüllt Textpassagen, die die Erzählstruktur des Films komplexer machen. Die Notizen auf dem Notizblock, der auf der Bar liegt, fungieren als Didaskalien: „Er schenkte sich ein halbes Bier ein und begann leise zu weinen“ oder offenbaren die Gedanken der Figuren mit Hilfe einer türkisblauen Schrift, die den Ton überlagert. Diese eingeblendeten Texte fungieren auch als Brücke zwischen Realität und Fiktion, da sie den Gedanken der Filmemacher Gestalt zu verleihen scheinen. Die Liedtexte hingegen spielen die Handlungen der Figuren nach oder liefern zusätzliche Kontextinformationen. Kurz gesagt, es gibt viele Möglichkeiten, dem Film eine Vielzahl von Stimmen zu verleihen, der zudem stolz seinen Status als Kinofilm zur Schau stellt, indem er seinen Abspann mit Erdnüssen schreibt.
Produktion: Fonds cantonal d'art contemporain, Genf, für das MIRE Programm