Agnieszka Polska
Prédiction
Full-HD-Videokunstwerk mit 2 Kanälen, 150 Min., 2026
WIR REDUZIEREN GEMEINSAM DEN STROMVERBRAUCH. DIE VIDEOARBEITEN DES MIRE-PROGRAMMS SIND VON 7:00 BIS 9:30 , 12:00 BIS 14:30 UND 17:30 BIS 20:00 GEZEIGT. DANKE UND GUTE REISE!
„Du wirst am Bahnhof Chêne-Bourg eine besondere Person treffen“ ist eine der vielen Prophezeiungen, die die Reisende des Bahnhofs auf den beiden gegenüberliegenden Bildschirmen lesen können. Agnieszka Polska bietet mit 201 Sätzen, die speziell für den sozialen und architektonischen Kontext des Bahnhofs Chêne-Bourg konzipiert wurden, ein ebenso visuelles wie poetisches Erlebnis. Diese Vorhersagen erscheinen nach und nach für alle sichtbar: Die Buchstaben verwandeln sich, suchen nach einer Bedeutung in ihrer Kombination und nach Klarheit in ihrer Typografie. Diese Störung des Bildes oder, wie die Künstlerin es nennt, die entropische Dimension des Textes spiegelt den künstlerischen Prozess von Polska wider, der aus einer komplexen und engen Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine resultiert. Die Künstlerin denkt aktiv über die Bedeutung der Sätze nach, und die Hand ihrer MitarbeiterInnen verfeinert die Parameter der verschiedenen verwendeten Softwareprogramme. Der Einsatz des Computers ermöglicht die Kontrolle über das Timing, den Rhythmus und die visuelle Erosion des Textes. Die technologische Hybridität der Vorhersagen stellt den rein künstlichen Charakter des Bildes in Frage und erinnert daran, dass hinter der Entwicklung des visuellen Objekts immer der Mensch steht. Um ihr Werk besser in die vergängliche Umgebung des Bahnhofs einzubetten, entfaltet die Künstlerin jedem dieser Omen eine Minute lang zu. Das Fehlen von Ton veranlasst das Publikum, sich auf die Struktur der Texte sowie auf die psychologische Bedeutung des bewegten Bildes zu konzentrieren. All dies sind Möglichkeiten, daran zu erinnern, dass der Alltag banal oder tiefgründig, wörtlich oder metaphorisch gelesen werden kann. Die Bildschirme bieten aber auch die Möglichkeit, bestimmte Situationen zu relativieren, indem sie uns daran erinnern, dass „es nicht schlimm ist, einen Zug zu verpassen”.
Produktion: Fonds cantonal d'art contemporain, Genf, für das MIRE Programm