Yuri Ancarani
Il Capo (der Chef)
Film, Farbe, 15', 2010
Vom 29. April bis zum 14. Juni 2026 beherbergt der Fonds cantonal d’art contemporain die Biennale für Kunst und urbane Natur (re)connecting.earth auf den Bildschirmen des Mire-Programms, am Bahnhöfen Chêne-Bourg und Eaux-Vives !
Monte Bettogli, Carrara: In den Marmorsteinbrüchen der Apuanischen Alpen koordiniert der Vorarbeiter Steinbrecher und schwere Maschinen mithilfe einer Sprache, die ausschließlich aus Gesten besteht. Er leitet sein Team wie ein Orchester, mit Selbstsicherheit und Präzision, doch die Arbeit bleibt gefährlich. Trotz der rauen Umgebung und des ohrenbetäubenden Lärms offenbart seine Haltung eine unerwartete, fast choreografische Eleganz in einer paradoxen Stille. Der Film verwandelt die industrielle Arbeit in eine visuelle Choreografie und offenbart die ästhetische und rituelle Dimension einer abbaubaren Geste. Während klassische Dokumentarfilme die Steinbrecher als neorealistische Archetypen darstellen, hebt Ancarani ihre praktische Intelligenz und ihre Feinfühligkeit in einer extremen Umgebung hervor. Die wiederholten und kodifizierten Bewegungen des Vorarbeiters wirken wie ein Tanz, während die Maschinen zu Instrumenten einer kraftvollen Inszenierung werden. Dieser Blick auf den Marmorabbau geht über die reine Dokumentation hinaus und offenbart die ästhetische und rituelle Dimension der technischen Handgriffe. Der Künstler erklärt, dass : „In vielen Dokumentarfilmen über die Marmorsteinbrüche werden die Steinbrecher als neorealistische Archetypen dargestellt, als harte Kerle, die nur aus Schweiß und Flüchen bestehen. Ich hingegen bewundere ihre praktische Intelligenz: Es ist eine Form von Eleganz, von der wir viel lernen können und die mein Vorarbeiter besitzt: Er ist ein Mann, der Stil in seinen Gesten und Manieren hat. In einer so rauen und gefährlichen Umgebung wollte ich einen Aspekt der Feinfühligkeit hervorheben“. Dieses Video lädt dazu ein, unseren Blick auf die Rohstoffgewinnung zu überdenken. Es offenbart die menschliche, technische und symbolische Komplexität, die sich im Herzen dieser durch industrielle Aktivitäten veränderten Landschaften abspielt.
Video präsentiert im Rahmen der 3. Biennale (re)connecting.earth, organisiert vom Verein art-werk.