Rosalind Nashashibi

Occupation Of The Inner Life

Digitalisierter 16-mm-Film, 8', Farbe, Ton, in Endlosschleife, 2025-2026

WIR REDUZIEREN GEMEINSAM DEN STROMVERBRAUCH. DIE VIDEOARBEITEN DES MIRE-PROGRAMMS SIND VON 7:00 BIS 9:30 , 12:00 BIS 14:30 UND 17:30 BIS 20:00 GEZEIGT. DANKE UND GUTE REISE!

Nashashibis Film präsentiert sich als Reflexion über die Malerei, über das Vergehen der Zeit und über zwischenmenschliche Beziehungen. All dies sind Themen, mit denen sich die Künstlerin in ihrem Schaffen regelmäßig auseinandersetzt. In diesem speziellen Fall fügt sie eine mystische Dimension hinzu. Dieser Aspekt lässt sich im Film auf mehreren Ebenen beobachten; zunächst durch den Titel, Occupation of The Inner Life (Besetzung des Innenlebens), dann durch die Motive, die zu Beginn des Films gezeigt werden: die Kreisform der im Bildfeld vorhandenen Objekte, die Katze, die feierlich auf dem Tisch liegenden Hände sowie das Tarotspiel. Übrigens erinnert das Vorhandensein des Tarot an eine bestimmte Filmtradition. Man denkt dabei insbesondere an den Film von Agnès Varda, Cléo 5 à 7 (1962), oder an Céline et Julie vont en bateau (1974) von Jacques Rivette. Mystik und Weiblichkeit sind darin miteinander verbunden und zeugen vom Willen der Protagonistinnen, sich ihre Geschichte wieder anzueignen. Nashashibi tut dasselbe, verwischt jedoch die Grenzen zwischen gefilmtem Subjekt und filmendem Subjekt. Sie wechselt dabei zwischen Nahaufnahmen des Mädchens mit den Karten, Pauline, und Nahaufnahmen ihres Alltags, die mit einer Handkamera gefilmt wurden. Die Verwendung von Schwarz-Weiß-Film für bestimmte Einstellungen verleiht dem Bild eine dichte Textur und verweist auf die Malerei der Künstlerin, die man übrigens hinter der Kamera oder in ihrem Atelier beobachten kann. Die Gemälde, die vor unseren Augen vorbeiziehen, sind in den letzten zwei Jahren entstanden und spiegeln die Gewalt und Verzweiflung wider, die in den Regionen des Levante-Raums, darunter Westjordan und Gaza, herrschen. Eine Vielzahl von Symbolen erscheint auf dem Bildschirm – das Pferd, der Schwan, der Blumenstrauß, der fest umklammerte Stein, die Mutterschaft, die Barockmusik – und die Künstlerin schafft ein komplexes Bedeutungsrepertoire, in dem sich die Tierwelt, der Widerstand, vielfältige Zeitlichkeiten und Tränen (The Plaint von Purcell) vermischen. Nach Ansicht der Künstlerin vermittelt diese Gegenüberstellung die Idee der Beharrlichkeit – sumud auf Arabisch – vor dem Hintergrund einer emotionalen und physischen Unterdrückung, die dazu führt, dass das Innenleben der davon betroffenen Menschen verarmt. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, erhält der Titel eine ganz andere Bedeutung.

Produktion: Fonds cantonal d'art contemporain, Genf, für das MIRE Programm

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