Christian Jankowski

Die Jagd

Video, 1'11, ohne Ton, 1992/1997

Vom 29. April bis zum 14. Juni 2026 beherbergt der Fonds cantonal d’art contemporain die Biennale für Kunst und urbane Natur (re)connecting.earth auf den Bildschirmen des Mire-Programms, am Bahnhöfen Chêne-Bourg und Eaux-Vives !

Die Jagd ist eine der ersten performativen Aktionen von Christian Jankowski und Teil einer kritischen Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Konsumgewohnheiten. Eine Woche lang durchstreift der Künstler einen Supermarkt, ausgerüstet mit Pfeil und Bogen, und ernährt sich ausschließlich von Produkten, die er direkt aus den Regalen „jagt“. Dieses absurde Arrangement verkehrt die traditionellen Codes der Jagd und überträgt sie in eine völlig künstliche Umgebung, nämlich die des Großhandels. Indem er die Gesten des Jägers in einem standardisierten und sterilen Raum nachspielt, bringt Jankowski zwei gegensätzliche Realitäten in Spannung zueinander: die des sogenannten „natürlichen“ Überlebens und die des industriellen Konsums. Die verpackten, etikettierten und verzehrfertigen Lebensmittel erhalten plötzlich eine gewalttätige und konkrete Dimension. Das Werk hinterfragt somit unser Verhältnis zu Lebensmitteln, insbesondere zu Fleisch, dessen tierische Herkunft oft ausgeblendet wird. Es verdeutlicht zudem die Absurdität der Konsumlogik: Trotz der spektakulären Aktion der Künstlerin bleibt das System unverändert. An der Kasse werden die Produkte einfach gescannt, die Pfeile noch immer darin steckend, in völliger Gleichgültigkeit. Dieser Moment unterstreicht die Fähigkeit des kommerziellen Systems, jede Form von Abweichung oder Kritik zu absorbieren. Durch diese Performance spielt Jankowski mit dem Klischee des „hungernden Künstlers“ und verzerrt die Codes des heroischen Überlebens.

Video präsentiert im Rahmen der 3. Biennale (re)connecting.earth, organisiert vom Verein art-werk.

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