Tanja Engelberts

Decom

4K-Video, Farbe, loop, 14'56, 2021

Vom 29. April bis zum 14. Juni 2026 beherbergt der Fonds cantonal d’art contemporain die Biennale für Kunst und urbane Natur (re)connecting.earth auf den Bildschirmen des Mire-Programms, am Bahnhöfen Chêne-Bourg und Eaux-Vives !

Decom ist das Porträt einer Industriebaustelle am Ende des Lebenszyklus von Öl- und Gasinfrastrukturen. Hier werden die Offshore-Plattformen, einst Symbole für energetische Macht und intensive Ausbeutung, zur Demontage gebracht. Aus dem Meer geborgen, werden diese monumentalen Bauwerke nach und nach zerlegt, sortiert, recycelt und manchmal an Land wiederverwendet. Der Film inszeniert diesen Übergangsraum, in dem die Überreste einer einst dominierenden Industrie zu bloßem Material reduziert werden. Bemerkenswert ist, dass das Werk jeglicher sichtbaren menschlichen Präsenz entbehrt. Die Maschinen nehmen den gesamten Bildraum ein und übernehmen die Abbauarbeiten. Diese Abwesenheit verstärkt den Eindruck einer automatisierten Welt, in der der Mensch nur noch als entfernter Initiator von Prozessen erscheint, die ihn übersteigen. Die Baustelle wird so zu einer postindustriellen, fast autonomen Landschaft, in der die Spuren menschlicher Aktivität bestehen bleiben, ohne dass Körper sie verkörpern. Der Film zeichnet sich zudem durch seinen einzigartigen Rhythmus aus. Er wechselt zwischen langsamen, fast meditativen Sequenzen und Momenten plötzlicher Gewalt, wenn die Strukturen zerschnitten oder versetzt werden. Dieser Kontrast spiegelt den Lebenszyklus der Ölfelder selbst wider: eine lange, schrittweise Ausbeutung, gefolgt von einem brutalen und unumkehrbaren Ende. Durch den Wechsel zwischen kontemplativen Totalaufnahmen und eindringlichen Nahaufnahmen versetzt Tanja Engelberts den Zuschauer in den Mittelpunkt dieses Prozesses, oft auf Augenhöhe mit den Maschinen. Dieses Werk regt zum Nachdenken über die materiellen Folgen der Energiewirtschaft an. Es enthüllt die Kehrseite der Rohstoffgewinnung, indem es nicht die Produktion zeigt, sondern das Verschwinden der Infrastrukturen und die Veränderungen, die sie hinterlassen.

Video präsentiert im Rahmen der 3. Biennale (re)connecting.earth, organisiert vom Verein art-werk.

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